15.01.2004, Lesen Sie hier den Bericht über «Erster Casino-Wucherer verurteilt»
TESSIN · Italiener verlangte 520 Prozent Zinsen pro Jahr von Spielern ohne Geld
Francesco Welti Zinsen von 520 Prozent pro Jahr hat ein 52-jähriger Geschäftsmann von Spielern verlangt, denen im Casino Mendrisio das Geld ausgegangen war. Mehrere Monate lang operierte der in der Gegend von Varese wohnhafte Italiener mit Komplizen im Umfeld der Spielbank, bis die Sicherheitsleute Verdacht schöpften und die Polizei einschalteten. Nun ist er zu 45 Tagen Haft verurteilt worden. Das Urteil ist rechtskräftig, wie dessen Anwalt eine Meldung des «Corriere del Ticino» bestätigte.
Dass Casinos solche Personen wie ein Magnet anziehen würde, war allen Betreibern klar und bei der Eidg. Spielbankenkommission (ESBK) weiss man von etlichen Spielbanken, in denen Wucherer aufgetaucht sind. Sie von den Sälen fern zu halten gehört denn auch zu den üblichen Aufgaben des Sicherheitsdienstes. «In Mendrisio hat sich gezeigt, dass die Schutzmechanismen gar nicht schlecht funktionieren», sagt der Tessiner Generalstaatsanwalt Bruno Balestra dazu. In Lugano scheint das weniger der Fall gewesen zu sein, bis Frediano Manzi als Präsident der Schutzorganisation «SOS Racket e Usura» (Schutzgelderpressung und Wucher) im Oktober öffentlich warnte, dass dort Wucherer ihr Unwesen trieben und Zinsen von bis zu 3600 Prozent verlangten. Die Casino-Führung reagierte gereizt. Manzi reichte bei der Tessiner Staatsanwaltschaft ein dickes Dossier und eine Strafanzeige gegen acht Personen ein, die seiner Meinung nach im Casino Lugano illegal Geld verliehen.
Zur gleichen Zeit und unabhängig von ihm deckte die Sendung «Falò» des Tessiner Fernsehens ebenfalls entsprechende Machenschaften auf. Ausserdem berichtete sie über eine im Casino agierende Spielervermittlung. Diese wurde von der - vorbestraften - Ehefrau eines Italieners geführt, der wegen Angehörigkeit zu einer kriminellen Organisation zu sieben Jahren und vier Monaten verurteilt worden war und obendrein an den grünen Tischen mit Hunderttausenden Franken angeblich ungeklärter Herkunft spielte.
Fall wegen Kompetenzfrage blockiert Bald darauf schmiss die Direktion des Casino Lugano die fragliche Agentur mit Namen Fun Time hinaus, bestritt in der Öffentlichkeit jedoch jede Verfehlung. Trotzdem ist bei der Spielbankenkommission deswegen ein Verfahren im Gange. Denn über die erwähnten Vorstrafen hatte sie das Casino nicht informiert, obwohl dafür eine Meldepflicht besteht. Nun droht eine saftige Busse. Gleichzeitig prüft die Bundesanwaltschaft (BA) derzeit ein Dossier über Lugano. Man habe in weiteren Kantonen Informationen eingeholt und warte auf Material aus Italien, heisst es in Bern auf Anfrage. Sobald es da ist, entscheidet die BA, ob sie wegen Geldwäscherei ermittelt. Bis dahin sind auch die Ermittlungen zum Wucherverdacht blockiert, für den eigentlich kantonale Behörden zuständig sind. «Weil einzelne Personen mehrerer Delikte verdächtigt werden könnten, dürfen wir nicht einfach parallel zur BA ein Verfahren führen», begründet der Tessiner Generalstaatsanwalt Bruno Balestra das Abwarten.
Fast drei Monate nach der Strafanzeige ist demnach erst ein Informationsaustausch erfolgt. «Dieses Betätigungsfeld ist relativ neu», argumentiert Balestra. «Da muss sich zwischen Bundes- und Kantonsbehörden noch einiges einspielen.» Manzi ist sich trotzdem sicher, dass seine Anzeigen Folgen haben werden. Er habe eine sehr ausführliche Dokumentation abgeliefert, die etwa Aussagen von Angestellten des Casinos enthalte. «Zudem habe ich selber gesehen, wie Geld verliehen wurde - und es gibt die Videobänder der Überwachungskameras.» Die waren im abgeschlossenen Fall aus Mendrisio wichtig. «Ich habe grosses Vertrauen in die Behörden, zumindest seit sich die Bundesanwaltschaft eingeschaltet hat», fügt Manzi an. Analoge Aktionen führten schon zu handfesten Erfolgen: Im nahen Casino von Campione (I) trug er dazu bei, dass vor fünf Jahren zahlreiche Wucherer aufflogen und verurteilt wurden.
Quelle: Aargauer Zeitung
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Hinweis: Der Über-uns-Text stammt aus öffentlichen Quellen oder aus dem Firmenporträt auf Casinos.ch.
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